Nr. 16/2013 vom 18.04.2013

Leben in unaufgeregtem Hellgrau

Von Stephan Pörtner

Weil der Hochnebel sein Lieblingswetter war, lief Kunz in diesem Frühling zu Hochform auf. Nicht, weil er über dem Nebelmeer geschwebt hätte, in irgendeiner meditativen, aber gut geheizten Berghütte, nein, weil ihn, unten in der Stadt steckend, dieses unaufgeregte Hellgrau inspirierte. Den ganzen Tag fühlte er sich, als würde er unter einer weichen Decke liegen und wurde weder geblendet noch von aufdringlichen Blautönen belästigt. Weil Kunz wusste, wie wenig Verständnis es für seine Wetterpräferenz gab, hütete er sich, unter die Leute zu gehen, die sowieso drin blieben oder wegfuhren, und machte, wenn er jemanden traf, trübe Miene zum sonnigen Gemüt.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb schöner Engel») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. www.stpoertner.ch

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