Nr. 48/2016 vom 01.12.2016

Das verlassene Pfarrhaus

Von Stephan Pörtner

Die längere Abwesenheit des Dunkelberger Pfarrherrn wurde erst im November bemerkt, als es draussen so neblig wurde, dass selbst auf kurze Distanz niemand mehr zu erkennen war. Weil der Pfarrer auf mehrmaliges Rufen nicht reagierte, trat der Briefträger in das herrschaftliche Pfarrhaus und fand es vollkommen verlassen. Es musste Wochen, wenn nicht Monate her sein, dass hier zuletzt ein Mensch gewohnt hatte. Das war für die Menschen in dem als fromm geltenden Bergdorf insofern peinlich, als damit herauskam, dass seit längerer Zeit niemand mehr sonntags in die Kirche gegangen war, wo die Abwesenheit des Pfarrherrn am ehesten hätte auffallen müssen.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Unterstützen Sie die WOZ als Ganzes mit einer Flattr-Spende.

Spenden mit Flattr

Drücken Sie ihr Interesse am Text Das verlassene Pfarrhaus aus und tätigen Sie eine spezifische Flattr-Spende.

Spenden mit Flattr