Nr. 27/2016 vom 07.07.2016

Herumsitzen lohnt sich

Von Stephan Pörtner

Greisberger fieberte sportlichen Grossereignissen wie der Fussballeuropameisterschaft jeweils freudig entgegen. Nicht, weil er sich für sie interessiert hätte, ganz im Gegenteil. Während solcher Anlässe konnte er mit grosser Gelassenheit seinen höchst unproduktiven Lieblingsbeschäftigungen nachgehen. Dreimal am Tag einkaufen gehen, weil er viel zu faul war, eine Liste zu machen. Lange aus dem Fenster schauen, um das sich kaum ändernde Wetter zu beobachten. Herumsitzen ohne triftigen Anlass. Wann immer sich Zweifel meldeten, ob es denn legitim sei, das Leben dermassen zu vergeuden, konnte er sich vorrechnen, wie viel mehr Zeit er verschwenden würde, wenn er die Sportveranstaltung am Fernsehen verfolgen täte.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

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