Nr. 37/2016 vom 15.09.2016

Fritschi Go

Von Stephan Pörtner

Das heitere Beruferaten, als Fernsehsendung einst ein Strassenfeger, aber selbst mit der allgegenwärtigen Nostalgieverklärung, die alles Alte wertvoll fand, nicht mehr wiederzubeleben, erfuhr nichtsdestotrotz eine Renaissance in Person des Frührentners Fritschi, der sich damit die Wartezeiten und Tramfahrten verkürzte. Einfach waren Handwerker, die T-Shirts ihres Unternehmens trugen sowie Verkaufspersonal in gebrandeter Arbeitskleidung. Sonst aber liess die schiere Anzahl möglicher Berufe, denen ohne Kleidervorschriften nachgegangen werden konnte, in Kombination mit sich zusehends verästelnden Berufsbezeichnungen, nahezu endlose Spekulation zu. Wäre Fritschi eine App gewesen, mit der die Richtigkeit der Einschätzung festgestellt werden konnte, hätte er «Pokémon Go» in null Komma nichts verdrängt.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

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