Nr. 40/2012 vom 04.10.2012

Aufstieg und Fall eines Hundes

Von Stephan Pörtner

Lange Zeit war Harry der berühmteste aller Hunde. Vom Mittelmeer bis fast an den Bodensee erzählte man sich seine Heldentaten, wie er eigenpfotig das Fundament für ein Kloster gegraben, Seen angelegt und wie er Ungeheuer von bis zu drei Metern Länge dermassen verbellt hatte, dass sie im Aostatal eine Tanzschule gründeten. Er lebte beinahe sechzig Jahre lang, was ganz und gar unerhört ist für einen Hund dieser Grösse. Dann aber tauchte der Naseweis Barry auf, der ihm nicht nur den Namen abgekupfert hatte, sondern mit allerlei billigen PR-Tricks an seinem Ruhme nagte. Vor Zorn entgleiste Harry und wurde stattdessen Tankwart.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

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